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Patienten-Information zum Krebsrisiko für Menschen mit Insulin Glargin (Lantus)
Ärzte Zeitung, 28.06.2009 14:57 |
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Lantus®-Nutzer unnötig verunsichert
"Tagesthemen"-Beitrag zu Insulin Glargin und Krebs war kurz, knapp
- und einseitig / Widersprüchliche und nicht beweiskräftige Daten
"Hohes Risiko - Krebsgefahr durch Diabetes-Medikament": Mit
diesen Worten wurden die Fernsehzuschauer am Samstagabend auf einen
Beitrag der "Tagesthemen" eingestimmt, der dann - eigentlich der
Bedeutung des Themas nicht angemessen - nur wenige Minuten dauern
sollte. Diese wenigen Minuten reichten, um - unnötig - Angst
auszulösen: Ein schwerer Verdacht, nämlich der Verdacht, Krebs zu
fördern, laste auf Insulin Glargin.
Von Marlinde Lehmann
Etwas mehr Sensibilität beim Thema "Krebs" hätte gut getan. Auch
aufseiten von Professor Peter Sawicki vom IQWiG, Mitautor der jetzt in
"Diabetologia" vorab online veröffentlichten Analyse deutscher Daten,
der in Hinblick auf diese Studie warnte: "Also, das Ergebnis ist nicht
gut ....".
Vier Studien veröffentlicht
Sensibilität hat die Europäische Gesellschaft für die Erforschung
von Diabetes (EASD) bewiesen: Nach dem Vorliegen der von Mitarbeitern
des IQWiG und des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WidO)
analysierten deutschen Daten von etwa 130 000 Patienten, die, so das
IQWiG, ein für Insulin Glargin "möglicherweise" erhöhtes Krebsrisiko im
Vergleich zu Humaninsulin ergaben (www.iqwig.de),
habe man mit der Veröffentlichung der Daten abgewartet, bis zusätzlich
veranlasste Studien in Schweden, Schottland und Großbritannien
vorlagen. So zumindest wird das Vorgehen von Professor Edwin Gale aus
Bristol, Herausgeber von "Diabetologia", dem offiziellen Organ der EASD
und Professor Ulf Smith aus Göteborg, Präsident der EASD, in der
Pressemitteilung von "Diabetologia" zur aktuellen Publikation
beschrieben.
Diskussion ist nicht neu
Was sind die Fakten?
Die Diskussion um Insulin und Krebs ist nicht neu. Dabei geht es
übrigens nicht um die Frage, ob Insulin und somit auch Glargin normale
Zellen zu Krebszellen werden lässt. Sondern darum, ob das Wachstum
schon existenter Krebszellen angeregt wird.
Online vorab veröffentlicht von "Diabetologia" sind vier Studien,
alle retrospektiv, in denen es um Insulin Glargin und Krebs geht.
Veröffentlicht sind dort auch die Pressemitteilung, ein Editorial, ein
Statement des Herstellers Sanofi-Aventis und eine Patienten-Information
(www.diabetologia-journal.org/cancer.html).
Hingewiesen wird deutlich auf die widersprüchliche und nicht
beweiskräftige Datenlage, auch von der US-amerikanischen
Diabetes-Gesellschaft ADA, die noch am Freitag eine Stellungnahme zu
den Veröffentlichungen ins Web stellte (www.topix.com/drug/lantus/2009/06/ada-statement-on-insulin-glargine-and-cancer).
Auch die Deutsche Diabetes Gesellschaft schreibt, dass in zwei der vier
veröffentlichten Studien ein erhöhtes Krebsrisiko bei ausschließlicher
Therapie mit Insulin Glargin im Vergleich zu Humaninsulin beobachtet
worden sei, in zwei weiteren Studien diese Zusammenhänge jedoch nicht
hätten bestätigt werden können. In einer Studie sei das Krebsrisiko bei
Kombination von Glargin mit anderen Insulinen sogar leicht gesenkt
worden (www.deutsche-diabetes-gesellschaft.de)
EASD und auch IQWiG merken an, dass die beobachteten Zusammenhänge
zwischen Glargin und erhöhtem Krebsrisiko eine statistische Assoziation
ist. Es könne sein, dass nicht Glargin, sondern andere, noch unbekannte
Faktoren Ursache des höheren Risikos sind, so das IQWiG. Und Gale und
Smith betonen laut EASD-Pressemeldung, dass die Patienten mit
Glargin-Monotherapie sich von den anderen Studiengruppen unterschieden
(höheres Alter, höherer Blutdruck, häufiger Übergewicht).
IQWiG: Kein Anlass, jetzt überstürzt Therapie zu ändern!
Und jetzt?
Die neue Studie sei kein Anlass, jetzt überstürzt die Therapie
umzustellen, besonders, wenn die verwendete Glargin-Dosis niedrig ist,
schreibt das IQWiG. Und Gale und Smith fügen hinzu: Individuell sollte
mit Patienten dann eine Therapiealternative diskutiert werden, wenn
schon eine Krebserkrankung vorliegt oder - bei Frauen -
Brustkrebserkrankungen in der Familien bekannt sind. Natürlich müsse
der Möglichkeit, dass Glargin Krebs fördern könne, durch Analyse
bereits vorhandener Daten weiter nachgegangen werden. Eine prospektive
klinische Studie, die wissenschaftlich natürlich die beste Lösung wäre,
würde lange dauern, nicht durchführbar und unethisch sein, sind sich
Gale und Smith klar.
Für den Hersteller Sanofi-Aventis "verunsichert das IQWiG Patienten in unvertretbarer Weise" (www.sanofi-aventis.de).
Der Hersteller verweist auf klinische Studien mit 70 000 Patienten und
24 Millionen Patientenjahre an Erfahrung. Nach einer im Juni in
"Diabetologia" veröffentlichten 5-Jahres-Sicherheitsstudie seien
bösartiger Veränderungen bei Glargin seltener als bei Humaninsulin.
Patienten, Ärzte und Apotheker können sich bei Sanofi-Aventis informieren: Tel.: 0180 / 22 22 010.
Unsere Patienten, die mehr Informationen wünschen, wenden sich bitte an uns. Gerne beraten wir Sie individuell.
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