NACHGEFRAGT Der
Quickborner Diabe-
tologe Stephan A.
Schreiber hat ein
neues Medikament
getestet, das allen
Zuckerkranken
wieder Mut macht.
PINNEBERGER ZEITUNG: Herr
Schreiber, etwa sechs Millionen
Deutsche leiden an Diabetes. Bei
mehr als 95 % der Betroffenen
schafft es der Organismus im
Alter nicht mehr, den Zucker nor-
mal zu verarbeiten. Neun von zehn
Altersdiabetikern erwischt es wegen
ihres Übergewichts. Diese Patien-
ten müssten sich also nur ver-
nünftiger ernähren?
STEPHAN SCHREIBER: Das ist leich-
ter gesagt als getan. Sie kennen ja
den Spruch: "Was Hänschen nicht
lernt, lernt Hans nimmermehr." Viele
gehen leider erst zum Arzt, wenn es
weh tut, doch früher wäre besser.
PINNEBERGER ZEITUNG: Aber
dann müssen die Patienten doch handeln. Sonst riskieren sie einen Schlaganfall oder einen Herzinfarkt,
Amputationen oder sogar blind zu werden.
SCHREIBER: Das wären die
schlimmsten Folgen. So weit muss es
natürlich nicht kommen. Trotzdem
bleibt es schwierig, einem Erwachsenem zu vermitteln, das er sich regelmäßig kontrollieren muss. Tabletten werden oft noch akzeptiert, doch
werden damit, je nach Art des Medikamentes, nur die Symptome behandelt. Der Zuckerkranke isst häufig unverändert weiter und zerstört dadurch die Reste der Funktionen seiner Bauchspeicheldrüse.
PINNEBERGER ZEITUNG: Wenn ein
Patient so etwas erfährt, muss er endgültig seinen Widerstand aufgeben und eine Insulin-Therapie beginnen?
SCHREIBER: Wenn das so
einfach wäre! Wenn das Wort Insulin
fällt und der Mann beziehungsweise
die Frau erfährt, dass gespritzt werden muss, fällt die Klappe.
PINNEBERGER ZEITUNG: Wenn ich mir vorstelle, morgens, mittags, abends und vielleicht noch häufiger die Spritze anzusetzen, hochzurechnen, was ich
essen und was ich künstlich zuführen muss...
SCHREIBER: Sehen Sie. Aber
Ihr Szenario muss nicht stimmen. Zum einen ist es möglich, in einem frühen Stadium der Krankheit den Organismus über
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Therapie und gesünderes Essverhalten so einzustellen, dass er möglicherweise sogar wieder ohne Pharmaka
auskommt. Zum anderen haben wir in unserer Schwerpunktpraxis ein Langzeit-Insulin getestet, das vor
zwei Jahren auf den Markt gekommen ist. Den Alters-Diabetikern ermöglicht dieses Insulin, sich in Kombination mit Tabletten nur alle 24 Stunden einmal zu spritzen. |
PINNEBERGER
ZEITUNG: Akzeptieren die Betroffenen diese Therapie eher?
SCHREIBER: Nicht nur das. Wir
haben zeigen können, dass der Appetit gezügelt wird und eine
Gewichtsabnahme möglich ist. Unterzuckerung, also eine Senkung des
Blutzuckers unter den normalen Wert, tritt selten auf.
PINNEBERGER ZEITUNG: Diese
Erfahrungen aus Ihrer Praxis sind |
auf
dem Weltkongress der amerikanischen Diabetesgesellschaft stark
beachtet worden. Worüber werden Sie als nächstes forschen?
SCHREIBER: Zum einen werde wir
diese beiden Studien fortsetzen, um zu zeigen, wie diese spezielle
Therapie auch langfristig wirkt. Zum anderen werden wir uns auch mit
einer Fragestellung um den Blutzucker-Langzeitwert beschäftigen.
Interview: MICHAEL RAHN |
| DAS
QUICKBORNER DIABETES-SCHWERPUNKTZENTRUM
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| Stephan
A. Schreiber hat im Bereich des Schiffbaus und der
Kraftfahrzeug-Elektronik zahlreiche Ideen entwickelt und patentieren
lassen. Das hilft ihm, als Diabetologe auch in der Medizintechnik
mitzuarbeiten. Unter anderem entwickelte er Insulin-Pens, die
ähnlich wie ein Füller aussehen und zum Insulinspritzen benutzt
werden. Der gebürtige Schleswiger studierte in Kiel und arbeitete
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dort und in Düsseldorf. 1993 ließ er
sich als praktischer Arzt in Quickborn nieder. Seine Praxis in der
Schillerstraße baute er zum Diabetes-Schwerpunktzentrum aus, dem
einzigen in der Region Pinneberg/Steinburg. Im vorigen Jahr schulten
Schreiber und sein Mitarbeiter-Team rund 650 Patienten. Von den in
Schleswig-Holstein tätigen Hausärzten bildeten sich in den ver-
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gangenen Jahren etwa 550 speziell weiter,
um Zuckerkranke aus der allgemeinen Praxis heraus besser versorgen zu
können. Ein Teil von Ihnen hat dies in Quickborn getan. Schreiber
wertet seine Erfahrungen und Therapien mit den Patienten für
wissenschaftliche und populäre Arbeiten aus. Hierzu beschäftigt er
extra eine Assistentin in seiner Praxis.
Als einziger niedergelassener Arzt aus Deutschland,
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neben zahlreichen Professoren und Ärzten
aus Kliniken aus aller Welt, durfte Schreiber seine Erkenntnisse über
einfach zu handhabende Insulin-Therapie kürzlich während des
Weltkongresses für Diabetologen vortragen.
Die amerikanische Diabetes-Association (ADA) hatte ihn nach San
Francisco eingeladen. (mra)
INFO
www.diabetes-hamburg.de
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