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Kurzwirksame Insulinanaloga in vielen Fällen wieder erstattungsfähig

Keine ausreichende Grundlage für die Verordnung von kurzwirksamen Insulinanaloga im Kontext von Rabattverträgen

Zahlreiche Kassen haben mit Herstellern von kurzwirksamen Insulinanaloga Rabattverträge abgeschlossen, wonach diese Insulinanaloga angeblich nicht teurer sind als Humaninsulin. Die Verträge liegen aber weder den Kassenärztlichen Vereinigungen noch den Ärzten vor.

Mehr Infos zu Insulinanaloga

Seit 29. September 2006 dürfen Krankenkassen kurzwirksame Analoginsuline für Diabetes-Typ-2-Patienten grundsätzlich nur noch dann erstatten, wenn sie nicht teurer sind als kurzwirksames Humaninsulin. Das Bundesministerium hat die Entscheidung des Gemeinsamen Bundesausschusses mitgetragen. Jedoch mit der Maßgabe, dass der "in diesem Beschluss für die Feststellung der Wirtschaftlichkeit geforderte Kostenvergleich unter Berücksichtigung der Rabatte nach § 130a Absatz 1 und Absatz 8 SGB V erfolgen soll".

Im Klartext heißt das: Hat eine Kasse mit einem Hersteller von Insulinanaloga einen Rabattvertrag geschlossen und ist aufgrund des Rabatts das Insulinanalogon nicht mehr teurer als Humaninsulin, können Ärzte es zu Lasten der gesetzlichen Krankenversicherung verordnen. Wie soll ein Arzt das aber wissen? Es gibt rund 250 Krankenkassen und 4 Vertreiber von kurzwirksamen Insulinanaloga, also  1000 mögliche Rabattverträge. Das Bundesgesundheitsministerium teilt allerdings mit, dass Ärzte bei Rabattverträgen darauf vertrauen könnten, dass die Vorgaben des Bundesausschusses erfüllt seien.

 

Vorsicht ist geboten

Vorsicht ist jedoch geboten! Bei den Rabattverträgen werden dem verordnenden Arzt die Bruttokosten für das fast ein Drittel teurere Analoginsulin ins Budget gerechnet. Die Hersteller gewähren die Rabatte nämlich erst im Nachhinein, nicht direkt bei der Abrechnung des Rezeptes in der Apotheke. Im Falle einer Wirtschaftlichkeitsprüfung können die gewährten Rabatte kaum zum Abzug gebracht werden. Denn die Kassen erfassen den Rabatt nicht arztbezogen.

Ärzte riskieren also bei der Verordnung von kurzwirksamen Analoginsulinen im Rahmen der Rabattverträge ein Prüfverfahren und einen Regress, müssen also unter Umständen Jahre später die Kosten für die Analoginsuline aus dem eigenen Portemonnaie tragen. Deswegen raten die meisten Kassenärztlichen Vereinigungen ihren Ärzten die Analoga für Typ-2-Diabetiker nicht mehr zu verordnen, da es in der Verordnung eben keine Ausnahmen gibt! Lesen Sie hierzu auf unserer Homepage später mehr.

Ein weiter Punkt, der gegen die Rabattverträge spricht,ist: Die Apotheker sind nicht mit eingebunden und so bei Namensgleichheit von deutscher und Re- bzw. Parallelimportware gehalten ihre gesetzlich auferlegten Re- und Parallelimportquoten einzuhalten. In den Rabattverträgen ist aber nur die teure deutsche Ware rabattiert, obgleich die Re- und Parallelimportware aus der selben Abfüllanlage des Herstellers stammt. Es ist deshalb wichtig, trotz Rabattverträgen, auf dem Rezept das Feld „Aut idem“ anzukreuzen und die Pharmazentralnummer (PZN) zu drucken.

 

Der Tipp der Kassenärztlichen Vereinigung Schleswig-Holstein und auch unser: Typ-2-Diabetikern auch der Kassen mit Rabattverträgen, die auf der Verordnung von Analoginsulinen bestehen, stehen preisgünstige Alternativen des Reimporteurs EURIM-Pharma zur Verfügung. Dieser hat die Preise aller kurzwirksamen Insulinanaloga der Hersteller Lilly und Novo Nordisk zum 1. November so gesenkt, dass sie preisgleich im Vergleich zum Humaninsulin sind. EURIM-Pharma hat allerdings vorsorglich mitgeteilt, dass eine flächendeckende Versorgung nicht immer gewährleistet sein kann. Um sicherzustellen, dass der Apotheker bei nicht ausreichender Versorgung mit Reimportware nicht auf deutsche Ware tauscht, die dann unter das Verordnungsverbot fiele, hätte die Krankenkasse keinen Rabattvertrag geschlossen, ist es wichtig auch hier auf dem Rezept das Feld „Aut idem“ anzukreuzen und die Pharmazentralnummer (PZN) zu drucken. Leider kann nicht jede Praxissoftware dies. Unsere kann das aber!

 

Unsere Lösung für Sie, lieber Patient, ist eine  andere: Wir haben ein Formular entwickelt, mit dem Sie zu Ihrer Krankenkasse gehen und  es sich unterschreiben und abstempeln lassen. Damit erklärt Ihre Krankenkasse, dass sie weiterhin Ihr kurzwirksames Analoginsulin erhalten können ohne den Arzt dafür in Regress zu  nehmen. Regresse werden hiermit, unabhängig von einem Rabattvertrag, vermieden. Die Verantwortung liegt bei der Krankenkasse! Übrigens könnten so auch Versicherte der Kassen die Analoga weiterhin erhalten,die bislang noch keinen Rabattvertrag haben oder keinen abschließen möchten (Gibt es auch!). Können Sie, lieber Leser, sich vorstellen, wie ernüchternd es sein muss, festzustellen, dass man bei einer Krankenkasse versichert ist, die (noch) keinen Rabattvertrag abgeschlossen hat, Ihr Nachbar das Insulin aber erhält, weil er bei der „richtigen“ Kasse versichert ist.

 

Das erwähnte Antragsformulare erhalten Sie in unseren Praxen auf Nachfrage gerne, wenn Sie Ihr kurzwirksames Insulinanalogon weiter verwenden möchten. Dies ist allerdings nicht in allen Fällen immer empfehlenswert oder von Nutzen, weil in der Vergangenheit viele Patienten von ihren Ärzten allzu schnell diese Insuline erhielten. Unsere Patienten haben diese Insuline nur in geringem Umfang erhalten. Das nennt man Weitsicht!

An dieser Stelle erlauben Sie mir noch den Hinweis, dass eine Umstellung von einem kurzwirksamen Insulinanalogon auf Humaninsulin einer ausführlichen Aufklärung bedarf. Leider hören wir von Patienten immer wieder, dass sie nur das Rezept mit dem neuen Insulin kommentarlos überreicht bekommen. Das ist grob fahrlässig! Weitere Informationen gerne in unseren Praxen.

Rabattverträge: kurzwirksame Insulinanaloga (ohne Gewähr auf Vollständigkeit)

Kasse

Rabattvertrag
mit Firma

Präparat*

BARMER Ersatzkasse

Lilly
Novo Nordisk
Sanofi

Humalog® / Humalog Mix®
NovoRapid® / NovoMix®
Apidra®

Techniker Ersatzkasse

Lilly
Novo Nordisk
Sanofi

Humalog® / Humalog Mix®
NovoRapid® / NovoMix®
Apidra®

Deutsche BKK

Lilly

Humalog® / Humalog Mix®

DAK /
Hamburg Münchner Krankenkasse

Lilly Novo
Nordisk

Humalog® / Humalog Mix®
NovoRapid® / NovoMix®

BKK Landesverband Hessen

Lilly

Humalog®

BKK-IKK-LKK Arbeitsgemeinschaft Rheinland-Pfalz

Lilly

Humalog®

*Reimporte sind in Rabattverträgen nicht erfasst. Sie können jedoch verordnet werden, wenn sie abzüglich aller Rabatte nicht teurer sind als kurzwirksames Humaninsulin (z. B. EURIM-Pharma Importe)

Sanofi-Aventis teilt unter dem folgenden Link jeweils aktuell die Krankenkassen mit, mit denen man Rabattverträge geschlossen hat:

http://www.sanofi-aventis.de/live/de/medias/8D63CCF4-76EC-41D1-9DDE-312E8C332401.pdf

 

gez. St. Schreiber, Diabetologe DDG

 

 

 

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