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Insulinglulisin – Vorteile für adipöse Patienten

 
Leider ist dieses Insulin, genauso wie auch die anderen am Markt erhältlichen kurzwirksamen Analoginsuline, nicht mehr zu Lasten der gesetzlichen Krankenkassen verordnungsfähig. Dies gilt zunächst für alle Typ 2 Diabetiker und in Kürze für alle Typ 1 Diabetiker. Eine Folge unserer Gesundheitspolitik - Schande für unsere Gesundheitspolitiker! 
 
Dienstag, 7. Februar 2006    von Stephan A. Schreiber

Insulinglulisin – Vorteile für adipöse Patienten

Mit Insulinglulisin gibt es seit einiger Zeit ein neues kurzwirksames Insulinanalogon. Es zeichnet sich durch einige besondere Eigenschaften aus. Es kann Diabetikern zu einer besseren Blutzuckereinstellung oder mehr Flexibilität in der Therapie sowie zu einer einfacheren Gewichtskontrolle verhelfen. Hervorzuheben ist auch, dass es selbst bei sehr übergewichtigen Patienten seine rasche Wirkung nicht verliert.

Rasche und kurze Wirkung durch Aminosäurenaustausch
Zwei Aminosäuren – Asparaginsäure gegen Lysin an Position B3 und Lysin gegen Glutaminsäure an Position B29 – wurden in der B-Kette des Insulinmoleküls ausgetauscht (sehen Sie hierzu eine Flash-Animation). Dieser Austausch führt dazu, dass Insulinglulisin nicht zur Hexamerbildung neigt. Es wird daher nach der subkutanen Injektion relativ rasch resorbiert. (1) Glukose-Clamp-Untersuchungen belegen, dass Insulinglulisin deutlich schneller als Humaninsulin wirkt – die Wirkung setzt bereits fünf bis 15 Minuten nach der Injektion ein –, es werden deutlich höhere Hormon-Peaks erreicht und die Wirkung klingt auch rascher wieder ab als nach Injektion des Normalinsulins. (2)

Die Alternativen: Niedrigerer HbA1c-Wert oder mehr Flexibilität plus einfachere Gewichtskontrolle
Die Konsequenz daraus: Postprandiale Blutzuckerspitzen lassen sich mit dem schnell und kurz wirkenden Analogon sehr viel besser in den Griff bekommen als mit Humaninsulin. Die praktischen Folgen dieser Eigenschaft hat eine Studie mit über 800 Typ-1-Diabetikern geprüft. (3) Jeweils ein Drittel der Patienten injizierten entweder:

  • Humaninsulin 30 bis 45 Minuten vor der Mahlzeit oder
  • Insulinglulisin 0 bis 15 Minuten vor der Mahlzeit oder
  • Insulinglulisin direkt nach dem Essen.

    Bei Injektion vor dem Essen, so das Ergebnis der Studie, lässt sich mit dem schnell wirkenden Analogon eine bessere Glukosekontrolle und als Folge auch ein niedrigerer HbA1c-Wert erreichen. Die Diabetiker, die Insulinglulisin erst nach der Mahlzeit spritzten und damit in den Genuss einer höheren Flexibilität beim Essen kamen, hatten immer noch eine ebenso gute HbA1c-Einstellung wie diejenigen, die Humaninsulin mit dem vorschriftsmäßigen Spritz-Ess-Abstand von 30- 45 Minuten appliziert hatten. Sie profitierten jedoch zudem von einem anderen Vorteil: Sie nahmen nicht wie die Diabetiker, die vor dem Essen spritzen, an Gewicht zu, sondern hatten im Vergleich am Ende der zwölfwöchigen Studie im Mittel eine um 0,6 Kilogramm günstigere Gewichtsentwicklung (s. Abb. 1).


    Abb. 1: Gewichtsentwicklung bei Typ-1 Diabetes: Vergleich postprandiale Gabe von Insulinglulisin im Vergleich zu Normalinsulin und zur präprandialen Gabe von Insulinglulisin, Randomisierte Studie über 12 Wochen (n=860), ICT mit Insulin Glargin als Basalinsulin
    Quelle: Garg et al., Endocrin Pract 2005; 11: 11-17

    Auch eine Vergleichsstudie bei Typ-2-Diabetikern unter intensivierter Therapie bestätigt, dass bei vorschriftsmäßiger Applikation mit Insulinglulisin ein besserer HbA1c-Wert erreicht wird als bei einer Behandlung mit Humaninsulin. (4)


    Abb. 2: Veränderung der HbA1c-Werte bei Typ2-Diabetes: Normalinsulin vs. Insulinglulisin, Randomisierte Studie mit adipösen Typ-Diabetikern (n=876, durchschnittl. BMI: 34,5 kg/m2)
    Quelle: Dailey et al., Diabetes Care 2004: 27, 2363-68

    Umfangreiches klinisches Studienprogramm
    Insgesamt wurde Insulinglulisin in einem umfangreichen Studienprogramm sowohl bei Typ-1- als auch bei Typ-2-Diabetikern mit intensivierter Insulintherapie getestet. Im direkten Vergleich mit anderen bereits verfügbaren schnellwirksamen Analoga wie Insulin lispro zeigt Insulinglulisin eine vergleichbare HbA1c-Senkung, jedoch wurde in einem Vergleichstest bei Typ-1-Diabetikern bei Gabe von Insulinglulisin am Ende der 6-monatigen Studie eine signifikant geringere Gesamtinsulindosis als bei Insulin lispro benötigt – ein Ausdruck für die klinische Effektivität des neuen Analogons. (5)


    Abb. 3: Veränderung der Tagesinsulindosis in der ICT bei Typ-1-Diabetes mit Insulin Glargin als Basalinsulin und Bolusinsulinen (Insulin Lispro, Insulin Glulisin)
    Randomisierte Studie über 26 Wochen mit 672 Typ-1-Diabetikern (Ausgangswert HbA1c: 7,66%)
    Quelle: Dreyer et al., Horm Metab Res 2005; 37: 702-707

    Auch bei adipösen Patienten rasche Wirkung
    Besondere Vorzüge zeigt Insulinglulisin bei adipösen Patienten: Bei stark übergewichtigen Diabetikern setzt die Wirkung von Normalinsulin, aber auch von Analoga wie lispro, verzögert ein – oft sind dann verlängerte Spritz-Essabstände notwendig; Mahlzeiten-bedingte Blutzuckerspitzen sind dann nur sehr schwer in den Griff zu bekommen. Glukose-Clamp-Studien bei Adipösen haben aber ergeben, dass Insulinglulisin auch bei Menschen mit einem Body-Mass-Index (BMI) über 30 kg/m² im Vergleich zu Humaninsulin und Lispro einen schnelleren Wirkeintritt aufweist. (6) Es ist daher für adipöse Typ-2-Diabetiker als schnelles Bolusinsulin besonders empfehlenswert (s. Abb. 4).


    Abb. 4: Anflutung und Wirkeintritt von Bolusinsulinen bei adipösen Probanden, Doppelblinde cross over Clamp Studie (n=18, durchschnittl. BMI: 30-40 kg/m2)
    Quelle:Becker et al., Exp Clin Endocrinol Diabetes 2005; 113 (8), 435-443

    Insulinglulisin in der Pumpe
    Getestet wurde Insulinglulisin auch bei Verwendung in einer Insulinpumpe. Auch hier erwies es sich im Vergleich zum ebenfalls für die Pumpentherapie zugelassenen Insulin aspart als mindestens gleichwertig. In dieser Studie fiel auf, dass es unter Insulinglulisin zu tendenziell weniger Katheterverschlüssen als unter dem Vergleichsinsulin kam. (7)


    Aus einer Hand: Lang- und kurzwirksames Analogon
    Ein praktischer Vorteil im Praxisalltag ist auch, dass mit Insulinglulisin und Insulin glargin nun ein lang- und ein kurzwirksames Analogon vom gleichen Hersteller und mit dem gleichen Injektionssystem eingesetzt werden kann. Die beiden Wirkstoffe bilden damit ein ideales Paar für die intensivierte Insulintherapie mit Analoga.

    Studien zum stufenweisen Übergang auf die ICT
    Mit Insulinglulisin laufen derzeit auch Studien, in denen der beste und für die Praxis einfachste Weg zur intensivierten Insulintherapie bei Typ-2-Diabetes geklärt werden soll. Gut untersucht ist bereits der schrittweise Übergang von der oralen Mono-, über die orale Kombinationsbehandlung zur Basal unterstützten Oralen Therapie (BOT), bei der die blutzuckersenkenden Tabletten durch eine einmal tägliche Injektion eines Basalinsulins wie Glargin ergänzt werden.
    Doch die Frage ist, wie es dann weitergeht. Die Diabetologen diskutieren auf den internationalen Kongressen inzwischen eine neue Strategie, nach der bei Überschreiten des HbA1c-Zielwertes zunächst zusätzlich nur eine weitere Injektion eines kurzwirksamen Insulins (etwa Insulinglulisin) zu einer Hauptmahlzeit gegeben wird. Verschiedene Studien, unter anderem auch in Deutschland, testen derzeit dieses Konzept. Zu welcher Mahlzeit – zum Frühstück, Mittag- oder Abendessen – sollte das Analogon gespritzt werden? Für welche oralen Antidiabetika ist es sinnvoll, sie weiter zu verabreichen? Auf diese Fragen sollen die derzeit laufenden Studien mit Insulinglulisin bei Typ-2-Diabetikern schon bald eine Antwort geben.

    Literatur:
    (1) Becker et al.,Diabetes 2004 Jun; 53(Suppl 2): A119, Abs: 503-P
    (2) Becker et al., Diabetes und Stoffwechsel 2004, 13 (S1), P177
    (3) Garg et al.,Endocr-Pract 2005, 11 (1), 11-17
    (4) Dailey et al., Diabetes Care 2004: 27, 2363-2368
    (5) Dreyer et al., Horm Metab Res 2005; 37: 702-707
    (6) Becker et al., Exp Clin Endocrinol Diabetes 2005; 113 (8), 435-443 und Heise et al., Diabetes 2005: 54 (Suppl 1), A145 588-P
    (7) Hanaire-Broutin et al., Diabetologia 2004, Vol. 47 (Suppl. 2), Abstract 826

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Impressum © Stephan A. Schreiber 2011